Sie können nicht miteinander, obwohl sie müssen


Der Wähler gibt der Politik aufgrund der im Vorfeld der Wahlen geäußerten Ziele der Kandidaten einen bestimmten Auftrag. Die Wählerinnen und Wähler als Souverän bestimmen die paritätische Zusammensetzungen und politische Linie der Parlamente. Dabei soll sich dann die Richtung des Kandidaten oder der Partei um so mehr durchsetzen, je mehr Stimmen sie erhielten. So zumindest Theorie und Wählerauftrag.

Die letzte Hessenwahl hat einmal mehr gezeigt, wie sehr sich die Politik im Tagesgeschäft vom Auftrag des Souverän entfernt und sich aufgrund persönlicher Eitelkeiten und charakterlicher Fehler der Gewählten als unfähig erweist, dem Wählerauftrag gerecht zu werden.
Der will nicht mit dem, Partei A kann unmöglich mit Partei B, Partei C will nicht mit Partei D, Kandidat X kann nicht mit Kandidat Y, wer nicht mindestens 5% Wählerstimmen erhält darf überhaupt nicht, alle fühlen sich generell als Gewinner. Ein beschämendes Herumgeeier um Machtansprüche und persönliche Eitelkeiten folgt. Wer sich nicht im Sinne der Parteispitze charakterlich verbiegen kann und der Parteilinie folgt, wird abgesägt, wer nach der Wahl zu seinen Versprechen stehen möchte, wird geschasst. Dabei soll doch der Abgeordnete frei entscheiden können und nur seinem Gewissen unterworfen sein. Das schmutzige Geschäft der Politik wird andeutungsweise sichtbar. Vieles spielt sich im Verborgenen und hinter verschlossenen Türen ab.

Ist es das was das Wahlvolk will?

Oder sollte man nicht erwarten können, dass sich erwachsene Menschen — die zudem einen Eid geschworen haben — zusammensetzen und nach den unvermeidlichen Kompromissen des alltäglichen Lebens suchen?