Banken- und Finanzkrise wird zu Weltwirtschaftskrise


Es kommt nun zum Vorschein, was ich seit Jahren angeprangert habe (siehe z.B. »Deutschmichels Schrei in den Reichstag«). Eine elitäre, unersättliche, moral- und skrupellose Großverdienerschicht unterhält ein völlig unrealistisch bewertetes, unethisches Abzockersystem, um möglichst schnell an maximalen Profit zu kommen. Die Bankenelite und ihre Großfinanziers im Hintergrund haben sich in den letzten Jahren mit unersättlicher Gier und als kriminell zu bezeichnenden Investmentprodukten unvorstellbare Summen zur privaten Bereicherung generiert. Sehr einfallsreiche Experten haben dabei die Gier der Geldmärkte zur persönlichen Bereicherung ausgenutzt und unzählige Anleger, und nun sogar ganze Volkswirtschaften, ins Unglück gestürzt.

Wenn man zudem mit Hilfe großem Kapitals und gezielter Aktionen Preise nach oben treibt um abzuzocken, um dann - mit ebenso gesteuerten Maßnahmen - die Kurse abstürzen lässt, um auch am Zusammenbruch den großen Reibach zu machen, ist etwas oberfaul im ganzen System.

Um nichts anderes geht es, als um schnelles, möglichst leicht verdientes Geld, auf Teufel komm raus. Die Banker handeln dabei zwar vielfach aus Eigeninteresse, Hauptauslöser ist jedoch eine ungezügelte freie Marktwirtschaft, die aus Wettbewerbsgründen immer höhere Gewinne versprechen muss, damit die ständig steigenden Renditeerwartungen gieriger Kunden befriedigt werden können. Gieriger Kunden, mit zuviel freiem Spielgeld, und entsprechend hoher Risikobereitschaft.

Als Insider hat man sicher gewusst, dass irgendwann der ganze Schwindel auffliegen muss, deshalb auch die überzogene Rafferei der letzten Zeit. Schnell noch mitnehmen was möglich ist, bevor das Kartenhaus zusammenbricht.

Die in die öffentliche Diskussion geratenen Jahreseinkommen in Millionenhöhe reichen längst nicht mehr aus, da müssen heimlich zusätzliche Bonuseinnahmen her, die meist das Jahreseinkommen um ein Vielfaches übersteigen, plus Dividende, plus Aktienpakete, plus Megapensionen, plus Optionen, plus Sonderzahlungen, plus, plus, plus ..... Raffsucht, Eigennutz in Vollendung, gepaart mit schamloser Leugnung von Verantwortlichkeit, Kapitalismus pur.

Und selbst Riesenverluste und eine Weltwirtschaftskrise vermag die Erzeuger des Dilemmas nicht daran zu hindern ihre Supereinkünfte zu schmälern, im Gegenteil, schamlos wird auf die Vertragserfüllung unmoralischer Vereinbarungen der Vorzeit gepocht.

Wenn nun das übergierige Zockersystem wegen überbeanspruchung zusammengebrochen ist, wird schamlos die Politik bemüht und der kleine Mann soll die Zeche bezahlen. Und nicht nur das, die giftigen, also wertlosen Zockerpapiere mit Buchwerten in Billionenhöhe sollen nun in "Bad-Banks" ausgelagert werden können, für welche die Bundesregierung im Namen aller Bürgerinnen und Bürger garantieren soll. Die Bundesregierung übernimmt also zu unser aller Lasten das Risiko für einen gigantischen Haufen brandgefährlicher, weil wertloser, Giftpapiere? ...........Toilettenpapier!

So privatisiert man Gewinne und vergesellschaftet Verluste, Skrupellosigkeit in Perfektion.

Und die Politik macht mit, die Politik hat keine andere Wahl, als zum Hehler der Raffkes zu werden. Weil sie selbst abhängig geworden ist und die öffentlichen Kassen ständig frischen Kredit benötigen, hauptsächlich deshalb soll unter allen Umständen ein Zusammenbruch der Finanzsysteme vermieden werden. Die Regierungen benötigen ständig neues Geld zur Finanzierung der maroden Staats-, Länder- und Kommunalhaushalte. Sie sind die größten aller Schuldner.

Der Staat wird so zum Handlanger der Unersättlichen, weil die bankrotten öffentlichen Haushalte ihre Zahlungsverpflichtungen mit ständig neuen Schulden finanzieren und deshalb auf einen funktionierenden Geldfluss angewiesen sind.

Das es in den Aufsichtsräten der nun notleidenden Bundes- und Landesbanken und in den Kontrollorganen vieler weiterer Geldinstitute von Politikern nur so wimmelt (Nebenjob), kommt kaum an die öffentlichkeit. Von Verantwortung und dem völligem Versagen der öffentlichen Aufsichtsgremien fällt kaum ein Wort. Die Politik steckt voll mit drin, auch daher der hektische Aktionismus.

Die Verantwortlichen des Desasters müssen für den volkswirtschaftlichen Schaden nicht haften und dürfen ihre vorher mit Lug und Trug erbeuteten Supervermögen voll behalten. Wenn ein Bauernopfer unumgänglich wird und doch mal einer den Hut nehmen muss, geht er mit monatlichen Pensionsansprüchen, die dem vielfachen Jahreseinkommen eines Durchschnittsverdieners entsprechen, obwohl er sprichwörtlich längst im unredlich erlangten Zaster schwimmt.

Wie lange müssen wir den Mammonismus noch ertragen?

Wie lange kann das alles noch gut gehen?

Vielleicht wäre es besser gewesen, mit dem nun Gelernten einmal auf einer besseren Basis von vorn anzufangen, anstatt den letztendlich doch unvermeidlichen Zusammenbruch nur weiter hinaus zu zögern. Aber werden wir etwas lernen? Wollen wir es überhaupt? Die Chance auf schnellen Reichtum gilt allgemein ja als Triebfeder für Innovation und das unverzichtbare Allheilmittel Wachstum. Die Chance es mal mit Bescheidenheit, Fairness und Anstand zum Wohle der Allgemeinheit zu versuchen wird leichtfertig vertan. Die Menschheit ist noch nicht reif, es fehlen wohl noch ein paar Keulenschläge.

Man kann nur hoffen, dass man aus der noch längst nicht ausgestandenen Krise wenigstens lernt, den internationalen Geldhandel an die Ketten von Anständigkeit und Transparenz zu legen und abnormale Transaktionen untersagt.

Und die Politik wird hoffentlich auch langsam begreifen, dass man Geld erst einnehmen muss bevor man es auszugeben kann, und dass man über Rücklagen verfügen sollte, um Krisen zu überstehen.

Die Regierung übernimmt nicht nur hunderte Milliarden verzocktes Kapital der Raffgeier, sondern ist auch gezwungen für weitere hunderte Milliarden zu bürgen und zusätzlich auch noch für rund anderthalb Billionen Euro auf den Konten der Bürgerinnen und Bürger zu garantieren. Das nur, um die Menschen zu beruhigen und einen völligen Zusammenbruch eines siechenden Systems zu verhindern.

Gesetzt den Fall, es kommt ein internationaler Niedergang so ähnlich wie nach 1929, mit der Folge, dass die Regierung die Spareinlagen der Bürgerinnen und Bürger ersetzen muss, wo nimmt sie das Geld eigentlich her? Aus der Druckerpresse, woher sonst!

Was ist das frisch gedruckte Geld - ohne tatsächlich dahinterstehende materielle Werte - dann wohl wert?

Ich fürchte, es reicht gerade noch für ein paar Papiertücher, um die Tränen abzuwischen.

Und dann beginnt das Spiel um Macht, Geltungssucht, Gier und Unersättlichkeit von vorn.

Helmut Siebert